‘The great adaptation’

‘The great adaptation’
24. April 2020

Psychologische Bewältigungsstrategien in unsicheren Zeiten

Die aktuelle globale Situation der andauernden Unsicherheit rund um Covid-19 fordert jede*n Einzelne*n auf unterschiedliche Art und Weise heraus. Wie meistert man diese neue Normalität, die sich wie eine ausgedehnte Zwischenzeit ohne definierten Endpunkt anfühlt? Wie gestaltet man den Transit aus der Welt wie wir sie kannten, in eine neue und ungewisse Zukunft, die im Entstehen ist?

Die Psychologin Esther Perel bezeichnet diese aktuelle kollektiv geteilte Realität als ‚The great adaptation‘. Wir sind gefordert uns als Individuen und Gesellschaft anzupassen, weiter zu entwickeln und teilweise neu zu erfinden. Jede*r von uns ist dabei mit psychologischen Mechanismen ausgestattet, den sogenannten Bewältigungs- oder Coping Strategien. Sie ermöglichen uns den Umgang mit Stressoren und herausfordernden Lebensumständen. Dabei unterscheiden wir uns im Hinblick auf unser psychologisches Immunsystem, das unter dem Begriff Resilienz bekannt ist. Wer resilient ist, dem können äußere Stressoren ebenso wenig anhaben, wie Erkältungsviren einem starken Immunsystem. Stressreiche Erlebnisse beeinflussen uns dann nur kurzfristig und in geringem Maße. Selbstverständlich ist kein Mensch immer resilient, so wie auch das physische Immunsystem nicht jeden Krankheitserreger sofort abwehren kann. Resilienz hängt dabei nicht zuletzt von der richtigen Copingstrategie ab. Richtig bedeutet in diesem Kontext passend zur Person und zur Situation. Resiliente Personen zeichnen sich durch einen dynamischen Copingstil aus, bei dem fließend zwischen den Bewältigungsmechanismen gewechselt werden kann.

Dabei lassen sich den vier Copingstilen, angelehnt an das Transaktionale Stressmodell von Lazarus (1974), zwei Oberkategorien zuordnen: dem emotionsbasierten und dem problemorientierten Coping. Während letzteres darauf abzielt, die physische Realität, also die Situation selbst, zu verändern, fokussiert sich ersterer auf die Veränderung der psychologischen Realität, sprich dem Bezug zur Situation. Problemorientiertes Coping ist besonders adaptiv in Situationen, die persönlich beeinflussbar sind und der eigenen Kontrolle unterliegen, während emotionsbasiertes Coping in Momenten mit wenig bis keiner persönlichen Wirkungsmöglichkeit auf die äußeren Umstände funktional ist.

Schauen wir uns die verschiedenen Copingstrategien im Folgenden genauer an.

Problemfokussiertes Coping: Dieser Stil ist geprägt durch Aktionismus als Gegenmittel für Unsicherheit. Dem Bedürfnis nach Kontinuität wird durch Aktionspläne z. B. konkreten To Do Listen und Plänen, entsprochen, die so Ordnung und Routinen schaffen und Vorhersagbarkeit vor dem zeitlichen Horizont gewähren.

Emotionsfokussiertes Coping: Dieser Stil zeichnet sich durch den intensiven Fokus auf das eigene emotionale Erleben aus. Emotionen werden in ihrer Bandbreite akzeptiert, exploriert und ausgedrückt. Humorvolle Ansätze, Versuche durch Ablenkung Erleichterung zu finden sowie Selbstaufmunterung sind hier einige mögliche Strategien.

Beziehungsfokussiertes Coping: Getreu dem Mantra “Sharing is Caring” findet die Auseinandersetzung mit dem Stress im sozialen Rahmen statt. Soziale Ressourcen im Freundes-, Familien- und Arbeitskreis werden mobilisiert, sodass gemeinsam nach Lösungen gesucht oder um Hilfe gebeten wird sowie ein verständnisvolles, offenes Ohr Erleichterung bringt.

Bedeutungsfokussiertes Coping: Der Versuch des nichtlinearen Denkens bildet den Kern dieses Bewältigungsmechanismus. Dabei werden Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wie kann eine kreative Neubewertung und Umdeutung der Situation aussehen? Was ist das Gute am Schlechten? Findet Wachstum nicht außerhalb der Komfortzone statt? Der Fokus gilt die der Situation innewohnende Chance zu erkennen und zu würdigen.

Oft haben wir einen präferierten Bewältigungsstil, auf den wir in Anbetracht von Herausforderungen zurückgreifen. Dieser kann abweichen von dem, den unser*e Partner*in oder Kolleg*innen wählen. Die Einladung ist besonders jetzt diese Unterschiede nicht als Bedrohung für unser Selbst zu sehen und in simplifizierten “Richtig–oder–Falsch Kategorien” zu verorten, sondern als komplementäre Ergänzung zu leben, die als große Ressource in dieser ungewissen Zeit des Lebens mit Corona dient. Denn während die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen eine innere Einkehr und Stille ermöglichen kann, gibt der aktive Planungspragmatismus Hoffnung, für eine gestaltbare Zukunft.

Auch wir haben uns angepasst und möchten Sie wie gewohnt fachlich kompetent und menschlich nah im digitalen Rahmen begleiten.
Unsere online-basierten Coaching- und Beratungsformate sind hier für Sie zusammengestellt.

von Xenia Below

 

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