Praxisbuch zur Kulturgestaltung in Unternehmen

Praxisbuch zur Kulturgestaltung in Unternehmen
11. September 2020

Bereits das sonnengelb gestaltete Cover versprüht Lebensfreude und eine Let’s do This Mentalität, die zum Lesen einlädt. Unsere Beraterin Vera Podlinski hält freudestrahlend ihr neues Buch in den Händen und sortiert es stolz in unsere IOS-Bibliothek ein. Vera hat zum Thema wertschätzende Kulturgestaltung geforscht und darüber vor über einem Jahr ihre Masterarbeit geschrieben. Nun ist unter dem Titel „Prozess und Maßnahmen des Feelgood Managements: Ein arbeitspsychologischer Blick auf Unternehmenskulturen zum Wohlfühlen“ ihr neues Buch erschienen. Wir im IOS haben sie dazu interviewt.

Vera, wie kamst du auf die Idee, deine Masterarbeit in ein Praxisbuch zu verwandeln?

Eines war mir von Anfang an wichtig: Ich wollte nie eine wissenschaftliche Arbeit verfassen, die dann in den Untiefen der Uni verstaubt. Ich wollte von vorneherein einen Mehrwert erschaffen – nicht nur für die Kulturgestalter:innen, die ich dazu interviewt habe, sondern auch für alle in der Arbeitswelt, die ebenfalls an Kulturwandel interessiert sind und sich fragen, wie man da vorgehen kann. Die Lösung war schnell klar: Ich schreibe darüber ein Buch als Praxisleitfaden.

Worum geht es dabei genau?

Getrieben hat mich die Frage, wie denn konkret Kulturgestaltung im Unternehmen umgesetzt wird, und Feelgood Management ist ein spannender Ansatz, um Werte wie Wohlbefinden, Wertschätzung, aber auch Produktivität und Commitment im Unternehmen zu stärken. Ich habe mir also das Thema Feelgood Management vorgenommen als relativ neues Berufsbild, zu dem es aber eine jahrzehntelange Forschungsbasis aus der Arbeits- und Organisationspsychologie gibt. Meine Idee war dabei, das eher intuitiv gestaltete Feelgood Management auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen, um diesen doch sehr wichtigen Aspekt der Arbeitswelt voranzubringen.

Wie würdest du Feelgood Management definieren?

Feelgood Management macht es sich zur Aufgabe, eine wertschätzende Kultur des Miteinanders in Unternehmen zu fördern und die Rahmenbedingungen der Arbeit zu verbessern, indem die Menschen einer Organisation und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden. Dass die Unternehmenskultur den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb um fähige Nachwuchskräfte und gute Zukunftsskills von Unternehmen macht, rückt immer mehr ins Bewusstsein der Arbeitswelt 4.0. Es braucht starke Unternehmenskulturen, um die Attraktivität von Unternehmen am Markt zu gewährleisten und um gesunde Arbeitsatmosphären zu kreieren, in denen Menschen gut und gerne produktiv sind. Dies gelingt nur durch eine nachhaltige Transformation hin zu einem guten Miteinander, angefangen im Denken und Handeln jedes einzelnen Organisationsmitglieds hin zu einer unternehmensweiten Bewegung. Feelgood Management versucht eine Antwort zu geben auf aktuelle Wertetrends hin zu mehr Wertschätzung und Sinnentfaltung und umfasst alle Maßnahmen, die auf dieses Ziel einzahlen. Daher kann man nicht ganz trennscharf definieren, was FGM ist, da das stark von Unternehmen zu Unternehmen variiert.

Der Titel verrät ja, dass es um den Prozess und die Maßnahmen im Feelgood Management geht. Kann man also doch Gemeinsamkeiten feststellen?

Auf jeden Fall. Ehrlich gesagt hatte ich ursprünglich befürchtet, dass es schwer sein würde, ein Prozessmodell zu designen, weil Feelgood Management eben so unterschiedlich ist. Überraschenderweise gab es aber in den sieben Interviews, die ich geführt habe, starke Überschneidungen in Bezug auf die Vorgehensweise im Feelgood Management. Meine Proband:innen kamen aus recht unterschiedlichen Kontexten in Bezug auf Branche oder Unternehmensgröße, aber sie erzählten mir alle von ähnlichen Schritten zur Etablierung von Feelgood Management. Diese habe ich mit bekannten Veränderungsmodellen aus der Organisationesentwicklung und dem Change Management abgeglichen und folgendes Prozessmodell für FGM entwickelt:

 

 

Die einzelnen Phasen von 1. Analyse der Unternehmenskultur und vorherrschenden Bedürfnissen, 2. Auswertung und Präsentation der Ergebnisse, 3. Konzeption von Maßnahmen unter Partizipation der Mitarbeitenden, 4. Implementierung der Maßnahmen, 5. Evaluation und Anpassung zur Nachjustierung und 5. Nachhaltigkeit zur Verstetigung des Feelgood Management werden im Buch detailliert beschrieben. Zu jeder Phase haben mir die Feelgood Manager:innen Maßnahmenbeispiele gegeben, sodass ich außerdem einen bunten Blumenstrauß an Best Practices zeigen kann. Hierbei ist aber wichtig zu beachten, dass die Maßnahmen eben doch sehr unterschiedlich sind und es beim Feelgood Management darauf ankommt, herauszufinden, was im jeweiligen Unternehmen gebraucht und gewünscht ist.

Mit Feelgood Management sind auch viele Vorurteile verbunden. Was sagst du dazu?

Davon berichteten mir meine Interviewteilnehmer:innen auch. Teilweise empfanden sie den Begriff Kulturgestalter:innen treffender, weil der Name FGM wenig ernsthaft oder seriös klingt, es sich dabei aber um eine tiefgreifende, unternehmensweite Veränderung handelt. Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch das Mandat der Geschäftsführung bzw. der Führungskräfte. Kulturwandel funktioniert natürlich nicht durch oberflächliches Chichi wie Obstkörbe oder Tischkicker, was in dem Zusammenhang gerne genannt wird. Wenn es wirklich an das Wertesystem des Unternehmens geht, an Denk- und Verhaltensweisen Einzelner und Aller gemeinsam, dann wird ein tiefgreifender Prozess in Gang gesetzt, der nur möglich ist, wenn die Geschäftsführung wirklich dahintersteht und selbst Wertschätzung vorlebt. Für mich persönlich ist es dann nicht wichtig, ob man das nun Feelgood Management nennen muss oder einen passenderen Namen für sich findet.

An wen richtet sich dein Buch?

Zum einen natürlich an alle Feelgood Manager:innen, die in die Arbeit ihrer Kolleg:innen reinschnuppern wollen und Schritt für Schritt verstehen möchten, wie FGM umgesetzt werden kann. Es richtet sich aber darüber hinaus an alle Kulturgestalter:innen, die Orientierung und Inspiration suchen, um Arbeitsatmosphären zu schaffen, in denen Menschen ihr Potenzial voll entfalten, sich rundum wohlfühlen und dadurch wirklich gute Arbeit leisten können. Es war daher mir besonders wichtig, einen praktischen Leitfaden zu entwickeln, mit dem Menschen in Organisationen (ob explizit Feelgood Manager:in oder nicht) einen relevanten Unterschied machen und die eigene Unternehmenskultur durch Partizipation und gegenseitige Wertschätzung sukzessive verbessern können.

Danke, Vera!

 

Das Buch ist hier erhältlich.

In ihrem Buch „Prozess und Maßnahmen des Feelgood Managements: Ein arbeitspsychologischer Blick auf Unternehmenskulturen zum Wohlfühlen“ verknüpft unsere Beraterin Vera Podlinski erstmalig wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Arbeits- und Organisationspsychologie mit der praktischen Anwendung von Feelgood Management in Unternehmen. Dazu werden zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen zu den Themen Unternehmenskultur, Kulturwandel und Arbeitszufriedenheit erläutert. Auf diese Basis baut eine umfassende Beschreibung des relativ jungen Berufszweigs des Feelgood Managements auf, wozu sieben Feelgood Manager:innen aus verschiedenen Branchen zu ihrer Arbeitswelt interviewt wurden. Das Buch bildet die Ergebnisse der Interviews anhand eines Prozessmodells und zahlreicher Feelgood Maßnahmen entlang der einzelnen Prozessphasen ab und beschreibt so Schritt für Schritt die Etablierung von Feelgood Management in Unternehmen. Zusätzliche Impulse der befragten Feelgood Manager:innen und weiterer New Work Expert:innen liefern Best Practice Beispiele für die Gestaltung wertschätzender Unternehmenskulturen zum Wohlfühlen. Auch unsere Berater:innen Marie Bahnsen, Xenia Below und Johannes Schley tragen mit je einem Insightbeitrag über unseren Beratungsalltag zum Buch bei. Nicht nur deshalb: klare Leseempfehlung unsererseits!

 

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