Kulturwandel

Kulturwandel: Unternehmenskultur & Future Skills

Nachdem Ihr in der letzten Woche das Einbeziehen der Menschen und deren Sprache in den Kulturwandelprozess hoffentlich schätzen gelernt habt, soll es heute um die schon erwähnten Future Skills gehen.

Im Kulturwandel werden Menschen eingeladen, von der Zukunft her zu denken, Initiativen zu entwickeln und kreativ neue Situationen zu gestalten. Wir lernen also aus der entstehenden Zukunft. Dafür braucht es neue Skills. Parallelverarbeitung von Informationen, die eigenständige Regulation von Affekten, Feedbackverwertung auf Basis der Körperresonanz, Wachsamkeit für das Ganze. Sie zählen zu den Future Skills: jene Fähigkeiten, die Menschen in agilen und komplexen Umfeldern handlungs- und entscheidungsfähig machen.

Nur in einem sicheren und offenen Kulturrahmen haben Menschen das Vertrauen, diese Future Skills zu entwickeln. Erst dann bringen viele den Mut auf, sich zu äußern, obwohl noch nicht alles zu Ende gedacht ist. Um diese Bedingungen zu schaffen, braucht es eine gute Verbindung von Structure and Agency (Anthony Giddens, Soziologe).

Konzepte für den Kulturwandel: Structure & Agency

Structure beschreibt den Rahmen, in dem Menschen arbeiten. Es geht um Klarheit, geteilte Vision, Co-Creation und Orientierung.

Agency bezeichnet Gestaltungskraft, Selbstwirksamkeit und Autonomie, die verantwortungsvolles, unabhängiges, kreatives Denken und Handeln anregen.

Das Konzept der Agency geht davon aus, dass Menschen selbstbestimmt sein wollen. Dahinter liegen drei grundlegende soziale Bedürfnisse: Das Bedürfnis nach Beziehung und Verbundenheit. Das Bedürfnis nach Leistung und Steigerung der eigenen Kompetenz. Und das Bedürfnis nach Autonomie, nach freier, nicht durch Fremdkontrolle eingeschränkter Entfaltung der eigenen Wesensart (Edward L. Deci & Richard M. Ryan, Psychologen). Positive Erfahrungen mit Selbstbestimmung sind die Basis für die innere Sicherheit des Selbst und die eigene Selbstwirksamkeit. Die innere Sicherheit ist für uns im Kulturwandel so relevant, weil sie eine Voraussetzung dafür ist, dass Menschen in Reflexion zu sich gehen können, ihre Fehler zugeben und aus ihren Erfahrungen lernen können.

Organisationen brauchen eine stimmige Structure, die Agency & Selbstbestimmung möglich macht. Wir erleben im Kulturwandel immer wieder ein Ringen um diese ergänzenden Wertepaare. In welchem Maße ermächtigen und befähigen wir unsere Leute? Wie viel Struktur und Guidance braucht es und wie viel Freiraum? Uns wird deutlich, dass sequenzielles Handeln nicht mehr greift. Zwischen den Werten besteht ein Komplementärverhältnis. Kulturwandel lebt von vernetzten, iterativen, parallelen Prozessen. Und von Fehlern. Möglichst viele Fehler in kurzer Zeit zu machen lässt die Lernkurve ansteigen.

Eine positive Fehlerkultur verändert die Unternehmenskultur

Dabei ist Fehlerkultur für uns mehrdimensional. Es bedeutet Fehler zu machen ohne ein „blaming“ von Kollegen oder Führungskräften zu erleben. Unternehmen brauchen jedoch darüber hinaus ganz neue mentale Modelle über Fehler, einen Mindset-Shift: Fehler sind die Basis für das Lernen über die Wirksamkeit des eigenen Handelns. Fehler werden nicht vermieden, sondern systematisch ausgewertet. Dazu haben wir einen Feedbacksensor, den es zu nutzen gilt.

Als Fazit stellen wir fest: In einer Organisation bedarf es einem Zusammenspiel von Structure und Agency, damit Selbstwirksamkeit und innere Sicherheit gegeben sein kann – die Eckpfeiler des Kulturwandels. Außerdem haben wir gelernt, dass mit dem Begriff Future Skills nicht nur Fähigkeiten gemeint sind, sondern eine Haltung, ein Mindset. Statt eines problemorientierten Mindsets braucht es einen ganz neuen Zukunftsblick mit Gestaltungsimpulsen.

An diesem Aspekt wird auch der Post in der nächsten Woche anknüpfen. Darin soll ebenfalls ein essentieller Paradigmenwechsel vorgenommen werden: Weg vom Kulturwandelprozess als ein bis ins Detail geplantes Programm und hin zu dem Kulturwandelprozess als ein Design.

Unsere Serie zum Thema Kulturwandel startete mit dem Post KULTURWANDEL: EINE UNLÖSBARE AUFGABE- EIN GESTALTBARER PROZESS. Lesen sie hier die letzten Post über PERCEPTION IS REALITY und IT’S ALL ABOUT PEOPLE. Der Fokus dieses Artikels liegt auf den sogenannten FUTURE SKILLS. Die nächsten Posts beschreiben, wie DESIGNING im Wandel helfen kann und welche Bedeutung FÜHRUNG im Wandel hat.

Viel Spaß beim Lesen!