Kulturwandel und Wahrnehmung: Perception is reality

Wir sprechen selten darüber, was wir wahrnehmen, sondern handeln einfach. Im Kulturwandel brauchen wir die Reflexion unserer Wahrnehmungsmuster, um unser Handeln neu und bewusst zu gestalten. Mit Blick auf die in unserem News-Beitrag dargestellten Qualitäten entscheidet die Wahrnehmung des Kulturwandels über den Erfolg des Kulturwandels.

Hierbei ist nicht maßgeblich, was wir sehen, sondern aus welcher Quelle wir unsere Wahrnehmung schöpfen. Realität ist das, was wir subjektiv wahrnehmen. Das erleben wir jeden Tag, wenn unsere Kolleginnen, Freunde oder Kunden einen anderen Eindruck von der Situation, einen anderen Blickwinkel haben als wir. Durch Wahrnehmung entsteht ein Bild der Situation, ein Verständnis von dem, was ist und von dem, was entstehen soll.

Kulturwandel geschieht durch geteilte Wahrnehmung und das Erspüren der Zielkultur in der Gegenwart. Dafür braucht es Bildsprache, Symbole, Analogien, die Menschen mit allen Sinnen, nicht nur kognitiv, verarbeiten können. Der Austausch über unterschiedliche Wahrnehmungen und Perspektiven ist die Basis für Kulturentwicklung.

Systemblick und ganzheitliche Wahrnehmung stehen im Kern der Veränderung

„Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, dahin geht unsere Energie“

Der Psychologe Dr. C Otto Scharmer erinnert uns daran, dass unser energetischer Fokus von uns und unserer gerichteten Wahrnehmung abhängt. Fokussieren wir uns auf das Problem, geht auch unsere Energie zum Problem und jede Lösung die wir entwickeln, wird aus dieser Quelle gespeist. Das passiert beispielsweise dann, wenn wir unter Druck geraten und Lösungen im Stress produzieren, die mehr vom selben sind oder reine Symptombekämpfung.

Innovation hingegen kommt aus dem Potentialblick, der Lösungsorientierung, dem Blick in die entstehende Zukunft. Dafür brauchen Menschen den Mut für Perspektivwechsel, das Hineinversetzten in die Wahrnehmung der Kollegen, Kunden oder Stakeholder. Wir können nicht immer beeinflussen, was um uns herum geschieht und wie andere Menschen wahrnehmen, aber wir können bewusst entscheiden, wie wir mit unserer eigenen Wahrnehmung umgehen.

Befähigung und Reflexion im Kulturwandel

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit“ (Viktor Frankl, Neurologe). Dieser kleine Spalt zwischen Reiz und Reaktion ermöglicht uns die Chance auf eine ganzheitliche Wahrnehmung der Situation. Dadurch können Menschen eine kreative Distanz zur Situation einnehmen und etwas schöpferisch hervorbringen, das nicht nur eine Veränderung im System ist, sondern das System selbst verändert.

Ein wichtiges Learning in der Praxis war für uns, dass nicht wir Berater im Kulturprozess durch bewusste Wahrnehmung schlauer werden sollen, sondern, dass sich die Organisation selbst kennenlernt und versteht. Dafür müssen wir ständig einen Abstand zu unserer eigenen Wirklichkeit einnehmen. Bei allem was wir tun, stellen wir uns also die Frage, „Wer hat den Erkenntnisgewinn, wer lernt gerade?“.

In der Diagnostik- und Erkundungsphase einer Kulturentwicklung heißt das für uns, dass wir die Menschen befähigen, sich selbst zu sehen und zu erkunden. Nur durch die Stärkung der Selbstaufmerksamkeit lernt die Organisation langfristig, wo sie steht und wo sie hin möchte.

Anerkennung und Wertschätzung als Grundlage für Kulturwandel

Die eigentliche Kraft der Wahrnehmung entfaltet sich im Wahrgenommen werden. Mitarbeiterinnen erleben, dass Anerkennung, Wertschätzung und Vertrauen die emotionale Grundlage für verantwortungsvolles Handeln und kreatives Denken sind. Die Würdigung unserer Arbeit erfahren wir weniger durch Lob und materielle Anerkennung, als dadurch, dass wir wahrgenommen, gesehen und verstanden werden.

Das Teilen von Eindrücken und Resonanz statt Beurteilung und Bewertung schafft Beziehungen. Die Resonanz „Ich sehe, wie viel Power du in dieses Thema steckst und du strahlst aus, dass es dir ein persönliches Anliegen ist“ hat mehr Tiefe als ein reines „Das hast du gut gemacht“. Wahrgenommen werden ist die stärkste Kraft, um Motivation aufzubauen.

Die Bedeutung des „Wahrgenommen Werdens“ zeigt sich ebenso in Kulturwandelprozessen. Zum Beispiel, wenn eine Organisationsebene erst in einer späteren Phase des Kulturwandels aktiv miteinbezogen wird. Die fehlende Wahrnehmung in der Anfangsphase kann dazu führen, dass diese Ebene ein eigenes Bild zum Kulturwandelprozess fehlt. Das kann zu Irritation oder sogar Abwehrmechanismen und Reaktanz führen. Wahrnehmung und Beteiligung sind für Menschen grundlegend, um sich und ihre Umgebung kulturell entwickeln zu wollen.

Außenwahrnehmung und Image im Kulturwandel

Wahrnehmung ist auch im Markt die entscheidende Größe. Der USP eines Produktes liegt immer häufiger im Branding, in der Awareness, im Image und im Marketing. Produkte und Dienstleistungen nähern sich immer mehr an. Apple und Android unterscheiden sich stärker in ihrer Außenwahrnehmung als in ihren technischen Eigenschaften. Werbungen für Handys, Getränke und Autos sind nicht mehr zu unterscheiden – es geht um emotionales Erlebnismarketing. „Marketing is listening“.

„Unternehmen unterscheiden sich nicht in ihren Produkten, sondern in ihrem Image.“

Die beschriebenen Phänomene Wahrnehmung, Dynamik, Atmosphäre, Image sind alle nicht direkt sichtbar – aber kulturell höchst wirksam. Sie zeigen, dass Kultur sich nicht allein auf die Motivation oder Stimmung in der eigenen Organisation bezieht, sondern ein hochkomplexes, strukturelles Thema mit Relevanz für den Unternehmenserfolg darstellt.

Der damit verbundene Kulturwandel impliziert, dass eine Veränderung notwendig ist. Um diese Veränderung wirksam gestalten zu können, ist es wichtig sich von der objektiv richtigen Realität zu verabschieden und mehreren Blickwinkeln gegenüber offen zu bleiben. Sollten Sie diese Ganzheitlichkeit in der Wahrnehmung aus dem heutigen Post mitnehmen, sind Sie bestens für die kommenden Posts vorbereitet. In der nächsten Woche schauen wir uns das Element an, welches Kultur erst möglich macht: die Menschen.

Unsere Serie zum Thema Kulturwandel startete mit dem Post KULTURWANDEL: EINE UNLÖSBARE AUFGABE- EIN GESTALTBARER PROZESS. Der Fokus dieses Artikels fokussiert auf das Thema PERCEPTION IS REALITY. Danach betrachten wir näher die Menschliche Seite des Kulturwandels ITS ALL ABOUT PEOPLE und erfahren in Folge dessen, wie zukünftige Fähigkeiten im Kulturwandel gefördert werden können FUTURE SKILLS. Details zu DESIGNING im Wandel und mehr über die Bedeutung von FÜHRUNG im Wandel erhält der Leser in unseren abschließenden zwei Posts.

Viel Spaß beim Lesen!