Kulturelle Transformation – Eine Erlaubnis dank, nicht trotz Corona

Kulturelle Transformation – Eine Erlaubnis dank, nicht trotz Corona
27. Mai 2020

Auf den ersten Blick erscheint es kontraintuitiv, dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass besondere Zeiten wie die aktuelle Corona-Pandemie als Beschleuniger und Wegbereiter fungieren. Das Undenkbare wird aussprechbar, das Unmögliche wird machbar und Prioritäten werden dabei neu geordnet. Menschen treffen Entscheidungen und sie tun dies bewusster und resoluter als sonst.

Diese vermeintliche Paradoxie der gesteigerten Umsetzungskraft in Zeiten der reduzierten Sicherheit zeigt sich auch in unseren aktuellen Beratungsprojekten rund um kulturelle Transformationsvorhaben. Wenn wir uns mit den solchen Großprojekten innewohnenden Herausforderungen rund um Kommunikation, Vertrauen, Verantwortungsübernahme sowie -übergabe, kurz der notwendigen Haltungsänderung in Organisationen befassen wollen, bietet Corona einen Petrischalenmoment.

In der Begleitung eines Kunden aus dem Gesundheitssektor, der sich für die Anforderungen der Kund*innen und des Marktes der Zukunft neu orientieren und sich die Entwicklung zum Gestalter des Gesundheitsmarktes gönnen will, sehen wir, dass Kulturwandel eine unlösbare Aufgabe, aber ein gestaltbarer Prozess ist. Die unternehmerischen Krankheitssymptome der tradierten Hierarchiestruktur scheinen im Angesicht der globalen Pandemie buchstäblich „alt auszusehen“, sodass neues Gestaltungspotential sich entfaltet. Klärungen rund um Rollen und Gestaltungsräume werden priorisiert. Es wird deutlich, dass eine Rolle nicht nur durch die physische Beschaffenheit des Ortes definiert ist, an dem sie stattfindet, sondern auch durch das Verhalten, das man in dieser Rolle annimmt. Wenn sich also das Drehbuch ändert, indem sich mentale Skripte und dahinterliegende mentale Modelle und Glaubenssätze wandeln, verändert sich die Art und Weise, wie wir handeln und damit die Rolle. Das Narrativ wird neu geschrieben, also die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, wird dadurch zur Realität.

Corona reduziert den aktuellen physischen Handlungsspielraum des Kulturwandelteams, es akzentuiert aber auch den Möglichkeitsraum jenseits der physischen Realität. Digitale Räume über FaceTime und Skype werden nun ganz selbstverständlich für den Dialog genutzt, wodurch die im Kulturwandel so wichtigen atmosphärischen Räume für Wahrnehmung, dialogischen Austausch sowie das Miteinander geschaffen werden. Es ist die Qualität unserer Beziehungen, die die Qualität unseres persönlichen Lebens definiert, wobei das Persönliche in unserem Begriffsverständnis eine Klammer um das Private sowie das Professionelle darstellt.

Die Einladung diese Beziehungen als Organisation zu explorieren gewinnt besonders in Zeiten von ‚Social Distancing‘ somit an Wert. Corona erinnert daran, dass Menschen mit einer einzigartigen Kapazität ausgestattet sind, über räumliche, zeitliche und damit physische und psychische Grenzen in Verbindung zu treten. Diese Fähigkeit entdecken auch die Mitarbeiter*innen unseres Kunden, da sie sich nun hierarchie- und funktionsübergreifend in den offenen Austausch begeben und dabei durch die Möglichkeiten digitaler Medien unterstützt werden. Dabei beobachten wir, dass diese Medien oft als Krücke für die Erlaubnis fungieren, den zu fragen, der unsichtbar ist oder dessen Stimme gerade nicht hörbar ist. Damit werden im sicheren Rahmen und mit der Technik als willkommener Sündenbock neue Formen der Vernetzung, der Wahrnehmung und des Denkens konsequent eingeübt, die es mit dem zunehmenden Grad an Lockerungen auch in die Normalität 2.0 zu überführen gilt. Dafür braucht es übrigens nicht unbedingt Krisen globalen Ausmaßes, sondern die innere Erlaubnis.

von Xenia Below

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