Führungskompetenz: Souverän agieren und Mitarbeiter führen, ganz gleich was kommt…

Wie sieht die Zukunft der Führung aus und was macht zeitgemäße, kompetente Führung überhaupt noch aus? Vieles, was wir mit dem Begriff der Führung verbinden und verbunden haben, unterliegt einem ständigen Wandel.

Klar ist, die Veränderungen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Digitalisierung erfordert ein Umdenken von allem Betroffenen in diesem Bereich. Heutzutage erfordert Führung vielmehr als zuvor den Umgang mit Ungewissheit, Komplexität und sozialer Dynamik, den Umgang mit Diversität, Kooperation und Beteiligung sowie die Selbstreflexion der Muster, Präferenzen und Stile.

Was sind sinnvolle Führungskompetenzen, die entwicklungswürdig sind?

Das IOS bietet vier einzelne Kompetenzfelder der Führung an, die sich als dialogische Intervention aus vier vernetzten Kompetenzen zusammensetzen. Diese Kompetenzfelder, die als gelingende Interventionen zusammenwirken und sich gegenseitig bedingen sind folgende:

  1. „Souverän agieren, ganz gleich was kommt“
  2. „Unproduktive Atmosphären in produktive verwandeln“
  3. „Bedürfnisse erkennen und Störungen als Potentiale nutzen“
  4. „Muster und ihre Wirkungen erkennen und ändern“

Es beginnt mit der Kompetenz, souverän zu agieren – ganz gleich was kommt und setzt sich fort mit der Fähigkeit, unproduktive Atmosphären in produktive zu verwandeln. So wird es möglich, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und Störungen oder Irritationen als Potentiale zu nutzen. Im Kontakt mit Anderen erlebt man die Wirkungen seines Verhaltens und hat die Möglichkeit, sich – aber auch die Anderen – in den eigenen Mustern zu erkennen und diese bei Bedarf auch zu ändern.

Bevor wir uns diese vier Felder genauer anschauen, sollten wir zunächst die Frage beantworten, was überhaupt unter Führungskompetenz verstanden wird.

Eine Arbeitsdefinition von Führungskompetenz

Eine Kompetenz versteht sich als Expertise, es geht um das Wissen im konkreten Kontext, das in der Situation verfügbar ist und intuitiv abgerufen werden kann. Diese Kompetenzen werden dann wirksam, wenn sie sich aus drei Ebenen erschließen.

  1. Bewusstheit

Das ist die Ebene der Aufmerksamkeit, des Kontakts, der Achtsamkeit und Resonanz als Haltung.

  1. Bereitschaft

Das ist die Ebene der Motivation, der Beteiligung, des Dialogs und des persönlichen Einlassens.

  1. Befähigung

Das ist die Ebene der Passung und des Gelingens der Intervention.

Die Kompetenz als Formel ist also= Bewusstheit x Bereitschaft x Befähigung

Nachdem wir den Begriff der Kompetenz näher erläutert haben, widmen wir uns heute der Frage.

Wie kann eine Führungskraft „In der Souveränität bleiben, ganz gleich was kommt“?

Viele Situationen kommen im Alltag unerwartet und überraschend. Die Realität der professionellen Tätigkeit ist bestimmt von Ungewissheit. Es geht darum, Präsenz zu zeigen, bereit zu sein, Führung zu übernehmen und zu erkennen, wo Unterstützung notwendig ist. Souverän agieren heißt, Situationen wahrzunehmen und nicht zu bewerten.

Nur so bleibt man im wertschätzenden und aufnahmebereiten Kontakt und agiert im Lösungsmodus statt irritiert oder überfordert zu reagieren. Souveränität braucht kein langes Nachdenken, kommt aus der Intuition und erreicht das Gegenüber.

Woran erkennt man Souveränität?

– nimmt sich Zeit und bleibt gelassen bei sich

– stellt sich der Situation physisch und sucht sich einen guten Platz

– nimmt den Kontakt zu den Personen und der Situation auf

– vertraut der eigenen Wahrnehmung

– bringt sich in die Situation mit Zuversicht ein

Wann verliert man Souveränität?

– Wenn wir mit „unserem“ inneren Drehbuch für die Welt in eine Situation kommen, in der alles anders abläuft als wir das erwarten und planen.

– Wenn man störende Emotionen nicht regulieren kann. Bei Ärger, Gereiztheit, Angst, Enttäuschung, Wut, Scham, Erschrecken und Verletztheit entsteht eine massive Irritation.

Zwei Reaktionsmodi auf Überraschungen und Unvorhergesehenes zu reagieren

Wenn etwas passiert, womit wir nicht rechnen, was uns überrascht, gibt es zwei Handlungsmuster als Beispiel hierzu:

  1. Souveräner Reaktionsmodus: Zulassen, was kommt, Wahrnehmen ohne Be- und Entwertung, im Atemrhythmus bleiben, locker bleiben, Gefühle regulieren, proaktiv und positiv denken.
  2. Unsouveräner Reaktionsmodus: Überforderung entsteht, wenn man die situativen Ereignisse nicht akzeptiert, sich empört, Defizitzuschreibungen oder Schuldzuweisungen macht. Dadurch entstehen negative Gefühle, die den unsouveränen Reaktionsmodus verstärken weil sie in diesem Modus schlecht reguliert werden können.

Was gelingt im souveränen Reaktionsmodus?

Es gelingt, im Kontakt mit der Situation, mit sich selbst und den Beteiligten zu bleiben. Die in der Situation ausgelösten Gefühle können reguliert werden und geben wichtige Handlungsimpulse.

Wird die Situation beispielsweise als gefährlich oder bedrohlich erlebt, kommt Angst auf und es entsteht das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle als wichtiger Handlungsimpuls und bildet den Wahrnehmungsfokus.

Wozu führt der unsouveräne Reaktionsmodus und was löst diesen aus?

Wer unsouverän wird, geht aus der Situation und damit aus dem Kontakt mit sich selbst und den Anderen. Er verliert die Achtsamkeit, wenn er sich von seinen Gefühlen überwältigen lässt und sie nicht mehr regulieren kann oder weil er seine Gefühle abspaltet oder verdrängt.

Wer sich von seinen Gefühlen abtrennt, kann wichtige Informationen für sinnvolle Handlungen nicht mehr wahrnehmen. Die Gefühle geben den für die Situation wichtigen und passenden Handlungsimpuls.

Wer mit Schuldzuschreibungen reagiert, sich moralisch empört oder aus der Verantwortung geht, ist mit sich selbst beschäftigt, irritiert bzw. benötigt andere. Menschen im unsouveränen Reaktionsmodus können Führungsfunktionen nicht mehr wahrnehmen.

Überforderung und Perfektionismus (mein Drehbuch ist die Vorgabe!!!) sind meist die Auslöser, aus der Souveränität und damit aus der Situation und dem Kontakt zu fallen.

Überforderung entsteht, wenn man das Bedürfnis nach Pause und Ruhe nicht mehr wahrnimmt und sich Leistungen abverlangt, für die sowohl die körperlichen als auch die mentalen Voraussetzungen fehlen. Jede zusätzliche Anforderung bedroht die mühsam aufrecht erhaltene Balance. Man reagiert gereizt, genervt und gerät in eine negative emotionale Abwärtsspirale, die man nicht mehr regulieren kann, weil man den Kontakt zum eigenen Körper mit seinen Signalen und Bedürfnissen verloren hat.

Welche Strategien helfen zur Aufrechterhaltung des souveränen Reaktionsmodus?

Souveränität ist ein mentaler und körperlicher Zustand. Souveränität kann über die Beeinflussung körperlicher Reaktionen wie Atmung, Muskeltonus und die Steuerung der Gedanken eingenommen werden. So kann die wichtige Regulation von Emotionen gelingen.

Entspannungstechniken, Stressprävention, Übung in Yoga, Meditation, Musik, schöpferisches Tun oder andere entspannende Tätigkeiten regulieren das eigene Spannungsniveau.

Souveränität ist die Grundlage für die drei anderen Kompetenzen – Atmosphären schaffen, Hilfebedarf erkennen und Muster erkennen, die wir etwas näher in unseren kommenden Posts betrachten werden.