Im Deep Dive zur demokratischen Entscheidung

Im Deep Dive zur demokratischen Entscheidung
15. Mai 2020

Anfang März stand ein ganz besonderes Event auf dem IOS-Kalender: Eine interne Fortbildung zum Thema ,Deep Democracy‘. Zwölf Berater*innen des IOS kamen dafür in den Räumlichkeiten unserer Akademie zusammen, um für die folgenden zwei Tage gemeinsam als Team Neues zu lernen, Wissen zu vertiefen und Perspektiven zu erweitern.

Voller Vorfreude und Neugier trafen wir Berater*innen am Donnerstagmorgen in die IOS Akademie ein: Heute nicht in der Rolle des Präsentierenden, sondern in der Rolle der Teilnehmenden. Dem Wiedersehen folgten herzliche Umarmungen und heitere Gespräche, bis sich allmählich alle im Kreis versammelten. Als Beraterteam die Rolle zu wechseln und nun selbst als Teilnehmende in einer Fortbildung zu sitzen, war ein spannendes sowie angenehmes Gefühl und löste in uns leuchtende Augen aus. Mit offenem Mindset, fokussiertem Geist, aber auch kritischem Blick, näherten wir uns dem neuen Ansatz von Deep Democracy und seinen verschiedenen Methoden. Wir wollten ein Thema entdecken, das wir in unsere Arbeit integrieren können, um unser Wissens– und Handlungsfeld als Beratende weiter zu entfalten.

Was verbirgt sich aber nun hinter dem Begriff ,Deep Democracy´? In erster Linie stellt Deep Democracy eine innovative und kraftvolle Methode für integrative Entscheidungsfindung in Teams dar. Dabei verfolgt es den Ansatz, jede Stimme im Team zu hören, anzuerkennen und zu zählen. Mithilfe von verschiedenen Tools und Moderationstechniken werden alle Standpunkte im Team gesammelt. Gerade alternative sowie konträre Sichtweisen werden erkannt, wertgeschätzt und in Dialogen zur Entscheidungsfindung mit einbezogen. Damit kann sichergestellt werden, dass das Wissen eines jeden Teammitgliedes optimal genutzt wird, um nachhaltige, demokratische sowie integrative Entscheidungen zu treffen. Das Ziel von Deep Democracy ist, dass das Team dann gemeinsam hinter seiner Entscheidung steht und keine Oppositionen entstehen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt auflehnen. Denn dadurch könnte der Prozess gestört oder die Entscheidung sogar revidiert werden.

Als Leitbild nutzt Deep Democracy die Metapher des Eisbergs, die sich bei diesem Ansatz nicht auf eine einzelne Person, sondern auf das gesamte Team bezieht: Oberhalb der Wasserlinie liegt das Teambewusstsein. Hier befindet sich alles, was offensichtlich im Team geschieht, was bewusst und bekannt ist. Unterhalb der Wasserlinie ist das Unterbewusstsein des Teams verortet. Dort liegen unausgesprochene Fakten, Emotionen oder Meinungen. Das Ziel von Deep Democracy besteht nun darin einen vertrauensvollen Raum zu geschaffen, um tief zu den unausgesprochenen Elementen eines Teams zu tauchen und diese an die Oberfläche, ins Teambewusstsein, zu bringen. Das sind die Dinge, die sonst nicht bewusst gesagt werden, die Dinge, die vielleicht auch schmerzen oder kränken können, die Dinge, die keiner sagt, aber alle wissen. Wird Unausgesprochenes nun ausgesprochen, steht dem Team mehr Wissen zur Verfügung. Genau das Wissen, das – ohne gehört zu werden – den weiteren Prozess blockieren würde. Die Kommunikation wird offen und ehrlicher, Beziehungen erlangen mehr Tiefe und die Zusammenarbeit erweist sich als konstruktiver.

Deep Democracy nimmt vor allem bei größeren Veränderungsprozessen, zum Beispiel im Kulturwandel, eine besondere Position ein. Hierbei ist von großer Relevanz, Mitarbeiter*innen in den Prozess des Wandels einzubeziehen, ihr Wissen zu nutzen, ihre Weisheit zu hören sowie ihre Meinungen und Gefühle ernst zu nehmen, um Frust und Widerstand zu erkennen. Mit Hilfe von Deep Democracy können offene Dialoge gestaltet werden, um integrative Entscheidungen zu treffen und erweiterte Lösungen zu finden.

 

Schauen wir auf die Fortbildung zurück, nehmen wir sie als einen vollen Erfolg wahr. Wir sind in die Welt von Deep Democracy regelrecht eingetaucht, haben spannende neue Theorien erfahren, uns Tools und Methoden angeeignet sowie ausprobiert und wertvolle Impulse und Inspirationen für unsere beraterische Tätigkeit generiert. Wir konnten unser Mindset und unsere Haltung als Beratende vertiefen und um neue Sichtweisen in der integrativen Entscheidungsfindung ergänzen. Zudem sind wir selbst zu unserem Teamunterbewusstsein getaucht und waren positiv überrascht, dass trotz unserer gewohnt transparenten und ehrlichen Kommunikation, Unausgesprochenes unter der Wasserlinie zum Vorschein kam. Die gezielten Methoden von Deep Democracy haben uns unterstützt, einen direkten Zugang zu unterbewussten Elementen zu erhalten. Wir konnten so selbst erleben, durch welche Zugänge wir uns geöffnet und wohlgefühlt haben und welche Aspekte des Settings wichtig waren, damit wir erfolgreich lernen konnten.

von Marie Bahnsen

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