Das Leadership Academy Symposium in Alpbach mit internationalen Gästen (03.-04. Juli 2011)
02.01.2012 Sommertage in Alpbach: Weiter Blick, sonnige Perspektive, Abgehobenheit vom Alltag und Klarheit charakterisieren das erste Symposium der Leadership Academy. Es geht darum die Leadership Academy Community anzusprechen und gemeinsam mit internationalen Gästen unter der Schirmherrschaft der Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied Fragen zur „Leadership for Learning“ zu thematisieren.
Die Leadership Academy ist das umfassendste Vorhaben zur Stärkung der Innovationen im Bildungssystem in einem europäischen Land und auch weltweit wurde nichts Vergleichbares geschaffen. Die Zusammenarbeit des Instituts für Organisationsentwicklung und Systemische Beratung (IOS) in Hamburg und Zürich mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, in deren Zentrum die beiden Impulsgeber, Gestalter und Teamleader Michael Schratz und Wilfried Schley stehen.
Die beiden Professoren aus Innsbruck und Zürich sind komplementär zueinander der Idee verpflichtet, das Bildungssystem grundlegend zu erneuern. Statt der großen strukturellen Reformen geht es ihnen um den tiefgreifenden Wandel und das neue Verständnis vom „Ich zum Wir“. Im neuen Paradigma steht das Lernen im Zentrum, das sich kooperativ versteht und ohne Gegenüber nicht denkbar ist: „Wir und unsere Schule“, das ist dier professionelle Kernbotschaft.
Die Leadership Academy öffnet sich dem Diskurs der internationalen Community: Prof. John MacBeath eröffnete, wie es seine Art ist, souverän, kundig und spannungsvoll das Symposium mit einer eindrücklichen Vision vom Lernen. Prof. Louise Stoll schloss sich dem Vortrag mit ihrer präzisen Herausarbeitung der Bedingungen und des Gelingens professioneller Lerngemeinschaften („professional learning communities“) an. Prof. Mats Ekholm schließlich führte den Gedanken der regionalen Vernetzung der Bildungssysteme aus, um die Chancen der Übergänge, Kooperationen, Ressourcen und Verständnisse besser wahrnehmen zu können.
Das kollegiale Teamcoaching (KTC®) erlebte eine Premiere. Zum ersten Mal wurden in größeren Runden strategische KTCs® durchgeführt. Die Themengeber waren die Bildungsregionen als soziale Akteure. Es gelang in erstaunlicher Weise einen gemeinsamen Überblick, Einblick und Ausblick über Entwicklungen und Herausforderungen der jeweiligen Regionen zu gewinnen.
Wie immer wurde am Abend gefeiert und herzlich gelacht. Es gab vielfältige Verknüpfungen und intensive Dialoge. Der Spirit der LEA war in jedem Moment spürbar.
Ein von der Wissenschaftlichen Leitung der Leadership Academy schon lange gehegtes Vorhaben ging dank der guten Abstimmung mit der im Ministerium Projektverantwortlichen Frau Mag. Maria Gruber Redl am 03. und 04. Juli 2011 in Alpbach in Erfüllung. Das Interesse der angesprochenen Mitglieder der Leadership Academy aus acht Generationen führte zu einem spannenden Mix aus Generationen, Bundesländern und Schulformen.
Allein das Zusammentreffen war die Reise wert. Die Dialoge waren wie immer in der LEA eine intensive Mischung aus Persönlichem und Professionellem. Die Spannung war hoch, war doch mit der Bundesministerin und den Gästen ein attraktiver Anreiz gegeben zu kommen.
Die drei zentralen Ziele des internationalen Symposiums wurden in hohem Maß erreicht: Die Perspektiven konnten durch die hoch besetzten Beiträge erweitert und der in Österreich 1985 begonnene Leadership-Diskurs an die internationalen Entwicklungen angedockt werden.
Der Vergleich mit den internationalen Erfahrungen der Referenten wurde nicht nur als bereichernd empfunden, sondern es konnten auch viele Impulse für die Weiterarbeit gewonnen werden. Das Symposium knüpfte an die ersten generationenübergreifenden Treffen der LEA (Erstes Next Practice Symposium in Linz und die Sommer Akademien in Baden und Velden) an und bot die erste Möglichkeit zum kollegialen Austausch im internationalen Format.
Wichtige Schritte zur Vernetzung und zur Schaffung eines gemeinsamen Bewusstseins wurden angebahnt. Die Impulse der Frau Bundesministerin zur Bedeutung eines neuen Verständnisses von Professionalität wurden aufgegriffen, um Aufgaben für die Weiterentwicklung des Netzwerks und des Systems zu klären. Angeregt durch die Referent/innen zeichneten sich Zukunftsthemen ab:
- Die Verknüpfung der Führungsverantwortung mit dem Lernen der Schülerinnen und Schüler,
- die Einrichtung und Pflege Professioneller Lerngemeinschaften sowie
- System-Leadership durch Vernetzung von Schulen in der Region.
In dieser Hinsicht spiegelten die Referent/innen aus dem Ausland ihre kritische Außensicht am Ende der Veranstaltung: Für Louise Stoll ist die Leadership Academy eine große Professionelle Lerngemeinschaft, die sich über die Verbindung im Netzwerk den künftigen Herausforderungen auf den unterschiedlichen Systemebenen zu stellen vermag, um Innovationen im System zu ermöglichen und zugleich am System und dessen Weiterentwicklung zu arbeiten.
John MacBeath greift die Formel „Just do it!“ auf und plädiert in Zeiten internationaler Vergleichsstudien für eine Rückbesinnung auf das Wesentliche: „Wir müssen lernen zu messen, was wir schätzen, nicht das zu messen, was wir leicht messen können.“ Er stellt die Schüler/innen und ihr Lernen ins Zentrum und fragt, wie es möglich sein kann, die Brücke zwischen dem Leben in der Schule und dem, was außerhalb der Schule stattfindet, zu schlagen? Diese Kernfragen seien Herausforderung für alle Bildungssysteme.
Mats Ekholm weist auf die Vielzahl von Verknüpfungen durch die LEA zwischen den unterschiedlichen Ebenen des Systems hin, die es zur weiteren Entwicklung an der Schule zu nutzen gilt. Er plädiert für regionale Vernetzung in Bildungsregionen.
Die Anregungen durch die internationalen Gäste haben die generationenübergreifenden Aktivitäten bereichert und neue Impulse zur Verankerung in der Region gesetzt. Die vertiefenden Workshops gaben Unterstützung für die praktische Umsetzung von Ideen vor Ort. Aus den Workshops entwickelten sich neue Vernetzungsmöglichkeiten für die Praxis der Arbeit in den Schulen und Regionen. Der Blick über die regionalen und nationalen Zäune erweiterte den Horizont in Richtung systemischen Denkens und Handelns und eröffnete neue Möglichkeiten der Vernetzung.
Zugleich kam es zur Abstimmung von Initiativen im Gesamtsystem, das den Kontakt mit den Führungskräften auf allen Systemebenen benötigt – mit der abschließenden Frage: Wie können wir das Lernen auf allen Ebenen des Systems stärken und die eigene Profession auf dieser Basis weiterentwickeln? Mit der Beantwortung dieser Frage werden sich alle weiteren Aktivitäten auseinandersetzen müssen, wollen sie dem hohen Anspruch der Botschaft aus dem internationalen Symposium gerecht werden.
„Wir werden uns wiedersehen“, diese Form des Dialogs ist ganz besonders und mit keiner anderen Form der Begegnung vergleichbar.
Wilfried Schley/Michael Schratz
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